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BASF stellt Produktion um (jedenfalls ein wenig)

Die BASF, normalerweise mit ihren Produkten im Endverbrauchermarkt kaum vertreten, liefert seit der letzten Märzwoche Desinfektionsmittel. Die Desinfektionsmittel wurden zunächst kostenlos an Kliniken der Region abgegeben. Im zweiten Schritt werden jetzt auch hausärztliche Praxen mit lokaler Notfallversorgungsfunktion beliefert. Die Produktion ist auf 35 Tonnen die Woche beschränkt, ausgeliefert wird nur in der Region („Metropolregion Rhein-Neckar“). Dort soll aber die Auslieferung schrittweise ausgedehnt werden. Dafür verwendet die BASF ihre eigenen Fahrzeuge.

Das heißt mit anderen Worten: Die BASF baut keine eigene Vertriebsstruktur auf oder beauftragt den Großhandel mit dem Vertrieb. Sie erklärt auch, nicht mit den großen Herstellern von Desinfektionsmitteln in Konkurrenz treten zu wollen. Es liegen aber Anfragen aus ganz Deutschland nach dem Produkt vor, was zeigt, wie groß der Mangel an Desinfektionsmittel ist. Und wie schlecht das Gesundheitssystem auf die Krise vorbereitet ist.

Die wesentlichen Komponenten für das Desinfektionsmittel werden von der BASF regelmäßig zugekauft und für andere Zwecke in der Produktion verwendet. Die BASF hat also die Verwendung umdisponiert und die technischen Voraussetzungen für eine temporäre Produktion des Mittels geschaffen. Eine Sondergenehmigung der Behörde wurde erteilt.

Ist diese Maßnahme „Konversion“? Es soll sich um eine temporäre Maßnahme handeln, die aber zwei Zwecke wunderbar erfüllt:  den eklatanten Mangel an Desinfektionsmitteln in der Region beheben. Und für gute public relations sorgen. Schon lange ist es her, dass die BASF mal so viel Anerkennung erntete wie mit dieser Maßnahme. Die ja in der Zwischenzeit von anderen Firmen mit anderen Produkten ähnlich erfolgt.

Sorgen macht dennoch die Situation im Werk. Während die Hälfte der Bürotätigkeiten ins Home Office verlagert ist, müssen die Produktionsmitarbeiter*innen täglich an ihrem Arbeitsplatz erscheinen. Alle sollen bei der Arbeit den Sicherheitsabstand einhalten. Ob das gewährleistet ist bei den Produktions- und Logistiktätigkeiten, wo Hand in Hand gearbeitet werden muss? Bei den Instandhaltungsarbeiten in den Anlagen, wo es auch eng zugeht? Bei den vielen Fremdfirmenbeschäftigten, die in Logistik, Reinigung, Instandhaltung usw. arbeiten?

Wie fühlen sich Arbeiter*innen und Angestellte am Arbeitsplatz, wenn im angrenzenden Stadtteil die Feuerwehr mit Lautsprecherdurchsagen dazu aufruft, zur eigenen Sicherheit zuhause zu bleiben, das Haus nur zum Einkaufen zu verlassen, nicht in Gruppen auf der Straße und in Parks zu verweilen?

Kurzarbeit droht jetzt aufgrund des Einbruchs insbesondere der Automobilindustrie. Vorbereitungen für Kurzarbeit sind getroffen.

Fritz Hofmann, 3. April 2020

1 Kommentar

  1. Redaktion express
    Redaktion express April 14, 2020

    Stoßseufzer

    Gut geschrieben…. In unserem Cluster geben wir Masken aus, FFP2 und FFP3, wie auch OP-Masken, wenn eng zusammengearbeitet werden muss.
    Ich kann allerdings nur für uns sprechen.

    Was mir aber auch auffällt: Die wenigsten in meinem Umfeld kümmert es. Beim Rauchen stehen die Gruppen nach wie vor zusammen. Es sollen max. drei Leute gleichzeitig im Raum sein. Chef hat letztens acht erwischt.
    Ob Messwarte oder Büro, alles sitzt nebeneinander, als sei nichts. Wir haben zwar klar definiert, dass 1,5 bis 2 m Abstand gelten sollen. Das wäre ja bei uns im Büro auch null Problem. Und in den Kantinen, als sie noch offen waren, wurden Stühle entfernt, so dass man weit auseinander sitzt. Aber was macht der Aniliner? Er rückt die Stühle wieder zusammen.

    Ich bin da hin und her gerissen. Viele haben Angst und hätten gerne Lösungen. Und andere ignorieren alle ihnen zur Verfügung stehenden Regeln und Schutzmaßnahmen.

    Du siehst, es hat sich also nicht viel verändert

    Ein Vertrauensmann aus der BASF, 8. April 2020

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